Chronik

Die Fischbestände im Zuständigkeitsbereich der HFG früher und heute

Blicken wir zunächst einige Jahrzehnte und bis etwa zum Jahre 1900 zurück. Für diesen Zeitraum haben wir verlässliche Angaben, für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und die sich anschließende Zeit auch aus eigener Anschauung.

Damals waren die Spessartbäche leicht bis mäßig rein organisch belastet, chemische Belastungen gab es so gut wie keine. Durch diese organische Belastung „explodierte" das Leben - die Nahrungskette - regelrecht. Es wimmelte von Bachforellen und im Unterlauf der Lohr gab es ein Massenvorkommen der Äsche. Vorhanden waren noch bis in die 1960er Jahre der Edelkrebs und die Flussperlmuschel.

Dann begann langsam aber sicher die Zeit, als die Chemie auch in die Privathaushalte einkehrte (Wasch- und Spülmaschinen, Reinigungs- und Körper-pflegemittel und anderes). Diese chemischen Produkte waren seinerzeit weitaus aggressiver als heute, zudem gab es in den Spessartorten noch keine Kläranlagen.

Diese Entwicklung führte zu einem erheblichen Rückgang der Fischbestände, der Edelkrebs, die Flussperlmuschel, die Bachschmerle und die Elritze starben aus. Nach Trockenperioden mit anschließendem Starkregen gab es immer wieder „Abwasserstöße" aus den Kanälen in die Bäche, die zu Fischsterben führten.

Etwa ab Mitte der 1970er Jahre begann man mit dem Bau der Kläranlagen in den Spessartgemeinden. Die Situation verbesserte sich zusehends, es dauerte jedoch etliche Jahre, bis überall Kläranlagen in Betrieb waren. Schließlich verschwand die organische Belastung, die früher im Wesentlichen durch Abwassereinleitungen aus Privathaushalten herrührte, nahezu vollständig.

Nach und nach erholten sich die Fischbestände, sie erreichten jedoch nicht mehr diese früheren - im Grunde genommen unnatürlichen - Massenvorkommen. Wir haben heute einen guten Bachforellenbestand, die Regenbogenforelle kommt vereinzelt vor. Der Äschenbestand ist zufriedenstellend, diesem wird jedoch im Unterlauf der Lohr - der eigentlichen Äschenregion - durch Kormorane und auch Gänsesäger zugesetzt. Wie Elektrobefischungen zeigen, ist der Aal überall vorhanden, jedoch nicht in großer Stückzahl.

Die Mühlkoppe und das Bachneunauge haben die Zeit der starken Verschmutzung überstanden - wohl in unbelasteten kleinen Nebenbächen -, sie bilden heute gute bis starke Bestände. Die Elritze haben wir im Jahre 2009 erfolgreich wieder angesiedelt.

Wiederholt haben wir in der jüngeren Vergangenheit zweisömmerige Bachforellen besetzt, die mit den Chlochidien der Flussperlmuschel infiziert waren. Ob dieses Projekt erfolgreich verläuft, ist insbesondere deshalb ungewiss, da alle Kläranlagen keine chemische Reinigungsstufe haben und die Wiedereinbürgerung der Perl-muschel an - im Ergebnis unbekannten - chemischen Verbindungen scheitern könnte.

Wie bereits an anderer Stelle dargestellt, haben wir 2010 mit dem Projekt „Wiederansiedlung des Edelkrebses" begonnen. Zunächst werden über einige Jahre Krebse in isolierten Teichen gezüchtet, bevor ein Besatz in den Bächen erfolgen kann.

Wie sich die Fischbestände vor Jahrhunderten - zur Zeit der Besiedelung und später - darstellten, wissen wir nicht. Da die Bäche damals keinerlei Verbauung aufwiesen und voll durchgängig waren, ist davon auszugehen, dass die Fischbestände hervor-ragend waren. Dass dies im Main so war, bevor dieser ausgebaut wurde, ist belegt. Mit Sicherheit stiegen damals aus dem Main neben dem Lachs z.B. auch zahlreiche Barben und Nasen in die Bäche auf. Belegt ist, dass der Edelkrebs und die Perlmuschel bis in die Oberläufe hinauf in Mengen geerntet wurden.

Auch wenn diese Zeiten nie zurückkehren, sind wir mit der heutigen Situation zufrieden und versuchen, diese durch bauliche Veränderungen an den Gewässern (z.B. Errichtung von Aufstiegshilfen) und Artenschutzmaßnahmen weiter zu verbessern.